Klare Sprache: Förderung der Inklusion junger Menschen in Europa

Published on 28/03/2025

In einer Welt, die von komplexen Informationen und undurchsichtigen Verwaltungsabläufen geprägt ist, wird klare Sprache zu einem Instrument für soziale Gerechtigkeit. Für junge Menschen, insbesondere für diejenigen mit intellektuellen Behinderungen, Lese- und Schreibschwächen oder für diejenigen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ist das Verstehen der sie betreffenden Informationen der erste Schritt, um Maßnahmen zu ergreifen, informiert zu bleiben, sich zu beteiligen und Entscheidungen zu treffen.

Eine klare Sprache bedeutet nicht, Dinge zu stark zu vereinfachen, sondern Informationen auf den ersten Blick zugänglich, strukturiert und verständlich zu machen. Sie ermöglicht die Kommunikation mit allen jungen Menschen, unabhängig von ihrem Hintergrund oder ihren Lesefähigkeiten, und fördert den gleichberechtigten Zugang zu Rechten, Dienstleistungen und bürgerschaftlichem Engagement.

Wer sind die betroffenen jungen Menschen?

Eine klare Sprache richtet sich an alle jungen Menschen, ist jedoch besonders wichtig für diejenigen, die:

  • Schwierigkeiten beim Lesen oder Lernen haben,
  • mit intellekutellen oder psycho-sozialen Behinderungen leben,
  • eine neue Sprache lernen (Menschen mit Migrationsbiografie, Erasmus-Studenten),
  • keinen Bezug zu Institutionen oder formellen Codes haben.

Allzu oft haben diese jungen Menschen keinen Zugang zu ihren Rechten oder Unterstützungssystemen (Gesundheitsversorgung, Bildung, Wohnen, Mobilität, Staatsbürgerschaft), weil die sie betreffenden Dokumente in Verwaltungssprache verfasst sind, ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse.

Werkzeuge, die Praktiken verändern

Eine klare Sprache ist nicht nur eine Schreibmethode, sondern steht für einen kulturellen Wandel in der Gestaltung der Jugendkommunikation.
In Europa entstehen inspirierende Initiativen:

  • leicht verständliche Broschüren über die Rechte junger Menschen,
  • Bürgerbeteiligungsverträge in klarer Sprache,
  • Gesundheitskampagnen, die auf junge Menschen mit Behinderungen zugeschnitten sind,
  • multimediale Ressourcen, die gemeinsam mit nicht-muttersprachlichen Jugendlichen erstellt wurden.

Da die Jugendstrategie 2024–2027 des Europarates Inklusion, Teilhabe und Vielfalt fördert, erweist sich klare Sprache als transversales und strukturierendes Instrument. Sie fördert:

  • das Verständnis von Rechten,
  • die Stärkung marginalisierter junger Menschen,
  • qualitativ hochwertige Jugendarbeit auf europäischer Ebene.

Langfristig könnte klare Sprache zu einem Qualitätskriterium für die Jugendpolitik werden, ähnlich wie es die Barrierefreiheit für öffentliche Einrichtungen bereits ist.

Zuhören, einbeziehen, gemeinsam gestalten: Eine slowenische Inspiration von Zavod RISA

Zum Thema Barrierefreiheit von Inhalten und klare Sprache durften wir Anfang 2025 Maša Jereb (Leiterin des RISNICA-Sozialprogramms, das Autonomie, Übergänge nach dem Aufenthalt in Einrichtungen und soziale Teilhabe fördert) und Polona Rogina (Leiterin des BRLOG-Sozialprogramms, das Menschen mit Behinderungen im Alltag unterstützt – Gesundheitsversorgung, Wohnen usw.) in unseren Büros in Saint-Nazaire begrüßen. Dieses Treffen fand im Rahmen eines Mobilitätsaustauschs für Erwachsene im Rahmen des Erasmus+-Programms statt.

Während eines Tages voller Diskussionen und Workshops zum Thema klare Sprache stellten Maša und Polona zahlreiche von Zavod RISA entwickelte Methoden vor, mit denen Informationen für Menschen mit Verständnisproblemen zugänglich gemacht werden sollen, insbesondere durch klare Sprache und leicht lesbare Formate.
Sie erklärten, wie Nutzer:innen systematisch in die Erstellung und Validierung von Inhalten einbezogen werden, sei es durch das gemeinsame Verfassen von Artikeln für die Zeitung „20 Minuten“ oder durch die Teilnahme an Quizzen und Debatten zu aktuellen Ereignissen in klarer Sprache. Sie betonten, wie wichtig es ist, den direkt Betroffenen eine Stimme zu geben und sie nicht als passive Begünstigte, sondern als Mitautor:innen und Expert:innen ihrer eigenen Erfahrungen zu betrachten.

Zu den symbolträchtigen Projekten gehörten illustrierte Broschüren zu Sexualaufklärung und Geschlechterfragen in leicht verständlichem Slowenisch, die erstellt wurden, um eine kritische Lücke bei der Bereitstellung zugänglicher Informationen zu sensiblen Themen zu schließen. Maša und Polona berichteten auch über ihren inklusiven Ansatz, junge Erwachsene durch leicht verständliche Materialien, praktische Workshops und realitätsnahe Simulationen auf Erasmus+-Mobilitätsprogramme vorzubereiten. Sie betonten, dass leicht verständliche Sprache in öffentlichen Dienstleistungen in Slowenien nach wie vor eine Randerscheinung ist, obwohl durch die Zusammenarbeit mit Museen, Sonderschulen und bestimmten Ministerien Fortschritte erzielt werden.

Dieser Erfahrungsbericht liefert wertvolle Erkenntnisse für unsere europäische Reflexion über die Zugänglichkeit von Informationen im Jugendbereich.

Eine zentrale Herausforderung für das Projekt „That’s Clear!“: Jungen Menschen eine Stimme geben

Unser Ziel und das unserer Partner im „That’s Clear!”-Projekt ist es, nicht im Namen junger Menschen zu sprechen, sondern mit ihnen. Das bedeutet:

  • Einbeziehung junger Menschen in das gemeinsame Verfassen und Bewerten von Ressourcen,
  • Wertschätzung von Erfahrungswissen,
  • Schaffung von zugänglichen Kommunikationstrainings für Jugendbetreuer:innen,
  • Förderung von öffentlicher Rede, bürgerschaftlichem Engagement und Selbstständigkeit.

Das Projekt „That’s Clear!“ hat daher folgende Ziele:

  • Ausbildung von Jugendfachkräften in klarer Sprache und inklusivem Design,
  • gemeinsame Erstellung von Ressourcen mit jungen Menschen,
  • Durchführung von Co-Diagnose-Workshops zu Informationsmaterialien,
  • Vernetzung europäischer Organisationen, die sich für barrierefreie Informationen einsetzen.