Während „That’s Clear!“ in die Pilotphase geht, testen die Projektpartner gemeinsam mit jungen Menschen Materialien, die in einfacher Sprache erstellt oder entsprechend überarbeitet wurden. Dabei wollen sie herausfinden, wie verständliche Kommunikation die Erfahrungen junger Menschen verbessern kann – angefangen bei etwas so Einfachem wie der Art, wie wir sie zur Teilnahme einladen.
Wenn Kommunikation zur Barriere wird
Stellen Sie sich vor, eine junge Person entdeckt eine Möglichkeit, die ihr Leben verändern könnte: einen internationalen Jugendaustausch, einen Weiterbildungskurs, einen Freiwilligeneinsatz oder einen Workshop vor Ort.
Sie ist interessiert, aber die Ankündigung ist voller unbekannter Begriffe, komplizierter Anweisungen und formeller Ausdrücke. Sie liest sie einmal, dann ein zweites Mal. Noch immer ist sie unsicher, ob sie teilnehmen kann, was von ihr erwartet wird oder wie sie sich bewerben soll.
Was passiert als Nächstes? Vielleicht bittet sie um eine Erklärung. Vielleicht schließt sie aber auch die Seite und wendet sich etwas anderem zu.
Manchmal beginnt Ausgrenzung lange bevor jemand vor der Tür steht. Sie beginnt mit den Worten, mit denen wir Menschen einladen, hereinzukommen.
Klare Sprache ist mehr als einfaches Schreiben
Wenn wir über einfache Sprache sprechen, denken wir oft an kürzere Sätze, vertraute Wörter und gut strukturierte Informationen. Das sind wichtige Elemente, aber ihre Wirkung geht weit über die Lesbarkeit hinaus.
Klare Kommunikation kann dazu beitragen, dass sich Menschen sicherer, unabhängiger und willkommen fühlen.
Für junge Menschen – besonders für diejenigen, die Schwierigkeiten im Bildungsbereich, Sprachbarrieren oder nur begrenzten Zugang zu Angeboten erlebt haben – ist das Verstehen von Informationen eng mit dem Gefühl verbunden, teilnehmen zu können.
Eine unklare Nachricht kann Unsicherheit auslösen: „Ist dieses Angebot wirklich etwas für mich? Bin ich ausreichend qualifiziert? Werde ich verstehen, was ich tun soll?“
Eine klare Botschaft hingegen kann etwas sehr Wichtiges vermitteln: „Sie sind hier willkommen. Sie können diese Informationen verstehen. Sie können teilnehmen.“
Von komplizierten Informationen zu einladenden Botschaften
Betrachten Sie eine typische Ankündigung einer Jugendorganisation:
„Interessierte Bewerber:innen müssen das Anmeldeverfahren innerhalb der angegebenen Frist abschließen. Die Teilnahme ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Ausgewählte Bewerber:innen werden entsprechend benachrichtigt.“
Obwohl diese Nachricht formal korrekt ist, lässt sie mehrere Fragen offen. Wer kann sich bewerben? Was müssen Interessierte tun? Wann erhalten sie eine Antwort?
Stellen Sie sich nun einen anderen Ansatz vor:
„Möchten Sie an unserem nächsten Jugendworkshop teilnehmen? Wenn Sie zwischen 18 und 25 Jahre alt sind, können Sie sich bewerben! Füllen Sie das Online-Formular bis zum 15. November aus. Wir melden uns bis zum 20. November bei Ihnen und teilen Ihnen mit, ob Sie ausgewählt wurden.“
Die Informationen sind dadurch weder weniger professionell noch weniger genau geworden. Sie sind einfach leichter zu verstehen und machen deutlicher, was zu tun ist.
Das ist eines der wichtigsten Prinzipien der einfachen Sprache: Klarheit bedeutet nicht, Informationen wegzulassen. Sie bedeutet, Informationen für die Menschen nutzbar zu machen, die sie brauchen.
Junge Menschen sind nicht nur die Zielgruppe
Eine weitere wichtige Frage ist: Wer entscheidet, ob eine Botschaft klar ist?
Fachleute glauben vielleicht, dass ihre Kommunikation verständlich ist, weil sie auf Fachsprache verzichtet oder einige Sätze vereinfacht haben. Doch was für jemanden, der in der Jugendarbeit tätig ist, selbstverständlich erscheint, kann für eine junge Person, die solche Angebote zum ersten Mal kennenlernt, völlig neu sein.
Deshalb kann es einen großen Unterschied machen, junge Menschen in die Gestaltung der Kommunikation einzubeziehen.
Anstatt junge Menschen lediglich zu bitten, eine fertige Ankündigung zu lesen, können Organisationen sie einladen, an deren Gestaltung mitzuwirken. Junge Menschen können Beiträge in sozialen Medien prüfen, Anmeldeformulare testen, klarere Formulierungen vorschlagen oder auf fehlende Informationen hinweisen.
Vielleicht bemerken sie, dass eine Abkürzung unverständlich ist, ein Bewerbungsformular unnötige Fragen enthält oder die wichtigste Information am Ende eines langen Absatzes versteckt ist.
Dieser Ansatz verändert die Beziehung zwischen Organisationen und ihren Zielgruppen. Junge Menschen sind nicht mehr nur passive Empfänger:innen von Informationen: Sie tragen aktiv dazu bei, die Kommunikation inklusiver zu gestalten.
Das ist besonders wichtig für „That’s Clear!“. Das Projekt ermutigt Jugendorganisationen und Fachleute, ihre Kommunikationspraktiken zu überdenken und zugänglicher zu gestalten.
Eine Kultur schaffen, in der Fragen willkommen sind
Selbst die klarste Botschaft kann nicht jede Frage vorwegnehmen.
Inklusive Kommunikation hängt auch davon ab, wie Organisationen reagieren, wenn jemand etwas nicht versteht.
Fühlen sich junge Menschen wohl dabei, nachzufragen? Sind Mitarbeiter:innen bereit, Informationen auf andere Weise zu erklären? Kann jemand um Hilfe bitten, ohne sich zu schämen oder sich verurteilt zu fühlen?
Eine offene und einladende Kommunikationskultur zu schaffen bedeutet anzuerkennen, dass Verständigung eine gemeinsame Verantwortung ist.
Es liegt nicht allein in der Verantwortung junger Menschen, komplizierte Informationen zu entschlüsseln. Auch Organisationen sind dafür verantwortlich, ihre Botschaften verständlich zu formulieren und Raum für Fragen und Austausch zu schaffen.
Schon kleine Änderungen können helfen: formelle Anweisungen durch direkte Erklärungen ersetzen, verschiedene Kontaktmöglichkeiten anbieten oder einfach einen Satz ergänzen wie: „Sie sind unsicher, wie Sie sich bewerben können? Schreiben Sie uns eine Nachricht. Wir helfen Ihnen gerne!“
Jede Einladung ist eine Gelegenheit zur Inklusion
Jugendarbeit beruht darauf, Möglichkeiten zur Teilnahme, zum Lernen und zur persönlichen Entwicklung zu schaffen. Diese Angebote können ihr volles Potenzial jedoch nur entfalten, wenn junge Menschen wissen, dass es sie gibt, verstehen, wie sie daran teilnehmen können, und sich sicher genug fühlen, den ersten Schritt zu machen.
Einfache Sprache ist nicht nur eine Schreibtechnik. Sie hilft ganz praktisch dabei, Barrieren abzubauen, Vertrauen aufzubauen und die Teilnahme zu erleichtern.
Wenn wir das nächste Mal eine Einladung, einen Beitrag für soziale Medien oder ein Bewerbungsformular verfassen, sollten wir uns vielleicht eine einfache Frage stellen:
Wenn ich dieses Angebot zum ersten Mal entdecken würde: Würden mir diese Worte das Gefühl geben, dass ich bereit bin, daran teilzunehmen?
Denn manchmal beginnt inklusivere Kommunikation mit etwas so Einfachem wie einer Einladung, die leichter zu verstehen ist.
